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Kindle Touch 3G

Frisch eingetroffen aus den USA: mein neuer Kindle Touch 3G, als Ersatz für den betagten Kindle 3G 2.Gen, der mich als Powernutzer_in 2 Jahre lang treu begleitet hat. Seit dem Launch der 4. Kindle-Generation gibt es hier in Deutschland einen eigenen, lokalisierten Kindle, so dass der Importzwang eines amerikanischen Modells wegfällt. Ich nenne die deutsche Version liebevoll „Knöpfchen-Kindle“, hatte ihn aber bisher noch nicht in der Hand. Wen diese abgespeckte Version stört, kann hierzulande wohl auch noch die Kindle-Keyboard-Modelle bestellen. In den Staaten kann mensch zusätzlich den Kindle Touch, den Kindle DX mit dem großen Bildschirm und den neuen Kindle Fire (ein Tablet und kein e-Ink-Reader) kaufen, wahlweise mit WiFi oder WiFi/3G. Ich selber wollte aus Gründen lieber wieder ein amerikanisches Modell haben.

Ich bin schon länger ein großer Fan von eBook-Readern und da ich meine Seele bereits früh an Amazon verkauft hatte, habe ich mich nicht so richtig nach Alternativen umgeschaut (die Totgeburt txtr hat mich damals auch allzusehr frustriert). Amazon hat nach wie vor den besten internationalen Store und ein wirklich ausgereiftes All-In-One-Produkt. Der Unterschied zwischen Kindle 2. Generation und Kindle 3. Generation war mir zu gering, also beschloss ich, auf die 4. Generation zu warten. Als dann die 4. Generation endlich rauskam, war ich ein wenig enttäuscht: es gibt jetzt eine Billigversion nur mit Knöpfen, der Kindle 3. Generation hieß jetzt Kindle Keyboard und ob die Touch-Funktion beim Kindle Touch es wirklich wett macht? Auch an dem Display hatte sich nicht wirklich viel verbessert. Ich beschloss mir trotzdem was zu gönnen und bestellte sofort nach der Ankündigung einen Kindle Touch mit 3G vor.

Was erst nach und nach rauskam, war, dass Amazon anscheinend die Hardware beim Touch preislich sehr knapp kalkuliert hat und deswegen das Surfen über 3G im Browser auf Wikipedia und den Kindle-Store beschränkt, um Roaming-Gebühren zu sparen. Das ist ziemlich doof für Vielreisende, die den Kindle 3G zwischendurch als Notfallmailclient benutzen. Mit dem Kindle Keyboard kann nach wie vor unbeschränkt gesurft werden. Ich habe nie über den Kindle gesurft, aber es ist trotzdem ärgerlich, nachträglich in den Funktionen beschnitten zu werden. Immerhin hat Amazon dafür die Roaming-Gebühren beim Kauf von amerikanischen Büchern im Ausland (mit amerikanischem Account) abgeschafft.

Der Kindle Touch erhält im Amazon-Shop nur mittelgute bis gute Bewertungen, weil viele Benutzer_innen anscheinend mit der Touch-Funktion nicht ganz zufrieden sind. Zugegeben, die Touch-Funktion ist manchmal ein wenig buggy. Es ist eben „nur“ ein resistiver und kein kapazitiver Touchscreen. Manchmal blättere ich ausversehen um, wenn ich mich im Bett umlege. Manchmal reagiert das Display auch nach mehrmaligem Drücken nicht. Ziemlich sicher mache ich mir aber bei Vielbenutzung viele Flatschen aufs Display. Immerhin ist die Bildschirmauflösung im Vergleich zum Kindle 2.Gen wesentlich brillianter und kontrastreicher. Ich hatte mir mehr von der aktuellen E-Ink-Entwicklung erhofft, aber anscheinend brauchen erschwingliche farbige Displays noch eine Weile (sofern sie denn jemals kommen).
Sehr optimal ist die Ausnutzung des Bildschirms. Beim Lesen eines Buches sehe ich nur den Text eines Buches und keine Bedienelemente. Da der Kindle Touch selber nur eine sehr dezente Home- und sonst keine Tasten hat, kommt das Leseerlebnis schon sehr dem Minimalismus eines Buches nahe. Toll finde ich auch die Hülle mit dem eingebauten Licht, welches direkt aus dem Kindle-Akku gespeist wird. Nie wieder nachts die schlafende Freundin aufwecken, einfach den Kindle aufklappen und ein paar Seiten lesen.
Die Lederhülle ist außen leider ein wenig rutschig, kann aber durch das geschickte Platzieren aller Finger gut gehalten werden. Das Gewicht ist mit ca. 220 Gramm im Vergleich zu den ca. 290 Gramm des Kindle 3G 2.Gen gefühlt gleich geblieben. Vermutlich kann so ein Akku einfach nicht leichter werden. Apropos Akku: der Touchscreen verbraucht schon mehr Akkuleistung als die Bedienung mit Knöpfen.

Fazit: Für meinen Anwendungsfall ist der Kindle Touch absolut ausreichend und ein schönes Gadget. Mein Anwendungsfall = steckdosennah, reiseunlustig, gadgetfreudig. Insgesamt mag ich meinen neuen Kindle Touch sehr.

Tipps für den Kindle:

  • Mit Calibre als Buchmanagementsoftware ist der Kindle auch für Amazon-Shop-externe Bücher so bequem zu handhaben wie ein iPod mit iTunes. Mit Calibre können alle eBooks sofort per Drag&Drop hinzugefügt, ins Kindle-Format konvertiert und auf den Kindle übertragen werden. Toll!
  • Mit Instapaper können lesenswerte Webseiten / Blogartikel / Zeitungsartikel … aus dem Netz gespeichert und täglich oder wöchentlich als Zusammenfassung an den Kindle geschickt werden.

UPDATES:

  • Ja, der Kindle Touch ist wirklich langsam beim Umblättern (siehe auch hier). Ich selber empfehle eh Textbücher oder Bücher auf LCD-Bildschirmen fürs Schnelldurchblättern, da sich dort einfacher ein Überblick herstellen lässt. Stört mich persönlich nicht so, ist maximal ärgerlich.
  • Bei mir funktioniert das englische Dictionary beim Lesen von Nicht-Kindle-Büchern nicht, was sehr ärgerlich ist. Der Kindle kann dann anscheinend die Sprache des Buches nicht erkennen und findet das passende Dictionary nicht. Habe aber noch nicht wirklich im Netz nach Lösungen gesucht.
  • Tatsächlich würde ich allen Leuten mittlerweile den Knöpfchen-Kindle empfehlen, vor allen Dingen eBook-Reader-Neulingen. Ein solides, einfaches, günstiges Gerät, welches für die meisten Anwendungsfälle absolut reicht.